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In den letzten Monaten bin ich zunehmend misstrauischer geworden, wenn ich mal wieder etwas über “Biosprit” gelesen oder gehört habe. Vielleicht liegt das einfach daran, dass ich sowieso gerne mal das Gegenteil der Mehrheitsmeinung vertrete. Ein Freund von mir hat es einmal auf den Punkt gebracht: Wenn man sowieso einer Meinung ist, dann kann man sich nur gegenseitig beipflichten. Eine interessante Diskussion oder auch nur ein spannendes Gespräch ergibt sich in dem Fall selten. Mittlerweile aber häufen sich die Punkte, die für meine kritische Sichtweise sprechen.
Vom Grundgedanken her gibt es natürlich einiges, was für Agrotreibstoffe spricht…
Immerhin wurden in Europa Bauern noch 2007 dafür bezahlt, dass sie Ackerland nicht bewirtschaften. Das ändert sich jetzt, wenn auf diesen Flächen Energiepflanzen angebaut werden, die in Treibstoff umgewandelt werden können. Und das wiederum senkt den gesamten Verbrauch an Benzin und Diesel, wenn Bioethanol oder Biodiesel dem regulären Treibstoff beigemischt wird.
Es folgen aber eine Reihe von “Aber”s, die die ganze Sache in weniger freundlichem Licht erscheinen lassen. In der EU wird nämlich um Quoten für die Beimischung gerungen – laut derzeit gültigem Komissionsvorschlag sollen es für alle Mitgliedsländer verbindlich 10% werden. Diese Mengen aber müssen von außerhalb Europas importiert werden, denn in Europa steht bei weitem nicht die nötige Anbaufläche zur Verfügung. Um Anbauflächen für Energiepflanzen zu erschließen, werden daher etwa in Brasilien ständig weitere Regenwaldflächen gerodet. Auch die Lebensmittelpreise steigen natürlich an, wenn etwa Mais oder Weizen (noch) stärker nachgefragt werden. Gerade für die Ärmsten der Armen sind das düstere Aussichten. Außerdem ergeben sich Probleme, weil nicht alle Autos mit so stark (10%) “versetztem” Sprit betrieben werden können. Der Wirkungsgrad ist ebenso geringer. Und und und…
Meiner Meinung nach ist daher in Sachen Nutzung von Agrotreibstoffen der Weisheit letzter Schluss sicher noch nicht erreicht. Anstatt hier Quoten vorzuschreiben, sollte lieber die gesamte Situation ins Auge genommen und vorsichtig abgeschätzt werden, welche Auswirkungen dies auf Mensch und Umwelt darstellt.
Eine Art aber, mit Pflanzenkraft zu fahren, gegen die ich wirklich nichts einwenden kann, hat ein Freund von mir entdeckt. Sein alter Diesel-Benz wird nämlich je nach Außentemperatur mit bis zu 100% Pflanzenöl betrieben (je wärmer, desto mehr). Das aber kriegt er als Abfall – es handelt sich nämlich um altes Frittenfett, das Wirtshausbetreiber sonst kostenpflichtig entsorgen müssten. Respekt!
P.S. Ich freue mich auch über gegenteilige Meinungen (in Form von Kommentaren), und bin auch bereit darüber zu diskutieren, wie weit ich Recht habe *g*.


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