
Foto: buck82
Kann sich noch jemand an den Vorstoß des damaligen österreichischen Verkehrsministers Hubert Gorbach erinnern, Tempo 160 auf österreichischen Autobahnen einzuführen? Das wurde von ihm noch Ende 2006 propagiert ( Später hatte er ja mit seinem Sager, dass “the world in Voralberg … too small” ist, die Lacher auf seiner Seite *g* ).
Unter neuer Regierung und neuem Verkehrsminister war Tempo 160 dann kein Thema mehr. Ich denke, dass man nun nach mehr als einem Jahr auch einmal, ohne gleich einer politischen Farbe zugeordnet zu werden, über das Für und Wieder dieser Regelung nachdenken kann…
In Europa gibt es ja Länder, wo man auf Autobahnen schneller unterwegs sein darf als mit den bei uns erlaubten 130 Km/h. Unsere deutschen Nachbarn fahren ohne Tempolimit, in Italien wurde dieses erst vor wenigen Jahren auf die hier diskutierten 160 Km/h angehoben. Diese Länder ragen aber deswegen nicht negativ aus internationalen Unfallstatistiken hervor. Tatsächlich scheinen Gründe dafür zu sprechen, heute höhere Geschwindigkeiten zu erlauben.
Denn die technische Entwicklung hat in vielen Bereichen neue Maßstäbe gesetzt. Die jetzige Regelung zur Höchstgeschwindigkeit stammt in Österreich aus den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Seither sind die Autos wesentlich sicherer geworden, es gibt zahlreiche neue passive und aktive Sicherheitssysteme, und diese werden laufend verbessert: Die Karosserien sind einerseits robuster und schützen die Insassen besser. Parallel war es ein steiniger Weg vom flächendeckenden Einbau von Kopfstützen und der Pflicht zum Anlegen von Gurten bis hin zum breiten Einsatz von modernen Sichheitssystemen wie ABS und ESP. Heute gäbe es einen Aufschrei, wenn ein neues Fahrzeug auf den Markt kommen würde, das bei Crashtests so abschneiden würde wie ein Durchschnittauto vor zwei Jahrzenten.
So eine Entwicklung machen wir Menschen aber nicht durch. Daher bedeutet höheres Tempo, dass wir uns mehr konzentrieren müssen und die Unfallgefahr steigt. Allerdings sind auch heutige Autobahnen besser als ihre Vorgänger. Dazu kommt das ruhigere Fahrverhalten unserer heutigen Autos, von dem man in einem VW Käfer anno dazumals nur träumen konnte. Dennoch, ich halte sicher nichts von einer Pflicht, schnell zu fahren. Auf dreispurigen Autobahnen mag aber links und rechts genug Platz sein, um sein eigenes Wohlfühl-Tempo zu finden. Und die Politiker würden sicherlich Möglichkeiten finden, alles in Vorschriften zu gießen, die auch Rücksicht auf besondere Umstände nehmen, und die Einhaltung der Vorschriften mit elektronischen Methoden zu überwachen.
Bleibt noch die Frage nach der Umweltbelastung. Höhere Geschwindigkeit bedeutet nicht automatisch stark gestiegenen Kraftstoffverbrauch. Viele Faktoren zusammen sind hier entscheidend. Dem Reibungswiderstand, der mit dem Tempo steigt, wirken aerodynamisch vorteilhafte Karosserien und verbesserte Reifen entgegen. Normalerweise haben aber Motor und Getriebe eine größere Auswirkung auf den Verbrauch, und das gilt im Stadtverkehr ebenso wie auf der Autobahn. Fahrzeuge sind auch auf eine gewisse Geschwindigkeit hin verbrauchsoptimiert, die höher oder niedriger sein kann.
Mein Vorschlag ist daher, über eine Erhöhung des Tempolimits auf unseren Autobahnen neu nachzudenken, und 160 Km/h könnte man da durchaus als Richtwert für die Diskussion nehmen.
P.S.: Ich freue mich natürlich auch über gegenteilige Meinungen in Form von Kommentaren!


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